Workshop Frustrationssimulator

 

Frustrationssimulator: Wie fühlt sich Demenz an?

von Antje Stannek (ehrenamtliche Hospizbegleiterin)

 

Den Weg zu meinen Freunden kenne ich in- und auswendig. Natürlich weiß ich, wofür und wie ich eine Gabel benutze. Meine Bluse kann ich blind zuknöpfen. Meinen Einkaufszettel habe ich zwar dabei, aber eigentlich habe ich die Einkaufsliste im Kopf. Gerne lese ich Euch eine Geschichte vor. Und eine Sonne oder ein Mondgesicht zeichnen ... das ist doch Kinderkram.

 

Aber wie frustrierend ist es, wenn diese ganz normalen, alltäglichen Dinge nicht mehr funktionieren, man sie einfach nicht mehr kann?

 

Das durften Ehrenamtliche des Hospizvereins, Mitarbeiter:innen der Klinik Preetz sowie aus Pflegeeinrichtungen am 17.05.2025 von Prof. Dr. Bödecker erfahren. Er ist Professor für Soziale Arbeit mit älteren Menschen an der Fachhochschule in Kiel.

Prof. Dr. Bödecker hat uns an diesem Tag durch die 13 Stationen des „Frustrationssimulators“ begleitet. Diese Simulationen sollten uns uns ein Gefühl für den Alltag von Menschen mit demenziellen Erkrankungen geben.

 

Glauben Sie mir, dieser Test, für dessen einzelne Aufgaben wir jeweils nur fünf Minuten Zeit hatten, hat seinem Namen alle Ehre gemacht: Es war frustrierend. 

 

Haben Sie schon mal eine Kittelschürze mit übergroßen Gartenhandschuhen angezogen und dann die kleinen Knöpfe geschlossen?

Oder stellen Sie sich vor, Sie laufen den Weg zu Ihrem Supermarkt, den sie wirklich zu 100 % kennen, und plötzlich stehen Sie jedoch vor der Schule?

Sie haben schon tausendmal in Ihrem Leben Briefe geschrieben oder Sonnen gezeichnet. Wir sollten dies nun mit Blick in einen Spiegel umsetzen. Da macht unser Gehirn nicht mehr so mit, wie wir es kennen. Die Schrift wird krakelig. Die Sonne ist nicht rund und alle Linien haben kleine oder große Kurven.

Es wurden uns Bilder vorgelegt. Zum Beispiel ein Bild mit einer Tasse, aber darunter stand geschrieben „Buch“. Es passt nicht zusammen und vor allem, was davon merkt sich unser Gehirn, oder auch nicht. Nun wiederholen Sie, was sie gesehen haben ... Glauben Sie mir, Sie zweifeln an Ihrem Gedächtnis.

 

Und dieses Zweifeln und diesen Frust, dass man plötzlich Dinge offensichtlich nicht mehr kann oder weiß, begleitet demenziell erkrankte Menschen jedoch Tag, jede Stunde, jede Minute.

 

Unsere Frustrationstolerenz war innerhalb dieses 6-stündigen Workshops schnell erreicht und es hat auch uns sehr viel Energie gekostet, die einzelnen Aufgaben zu erfüllen ... aber was rede ich, selbst wir sind an vielen Aufgaben gescheitert. Was auch der Sache dieses Simulators dient.

 

Jetzt stellen Sie sich vor, dass zu diesem Scheitern am Alltäglichen noch der Frust, das Unverständnis und vielleicht auch Wut der Menschen um einen herum kommen. Jetzt bestätigt Ihnen auch noch Ihr Umfeld Ihr Unvermögen:

 

„Mama, das hat Du doch früher alles gewusst.“

„Papa, wieso stellst Du das Geschirr in die Badewanne?“

„Ich habe Dir doch gesagt, dass wir heute einen Termin beim Zahnarzt haben. Hörst Du mir nicht zu?“

„Früher war sie immer so gepflegt, jetzt vergisst sie das Duschen.“

„Opa, was sollen die Schuhe bitte schön im Kühlschrank? Das ist unhygienisch. Jetzt muss ich den ganzen Kühlschrank putzen.“

„Oma, die Suppe isst man doch nicht mit der Gabel!“

„Warum bist Du noch nicht angezogen, wir müssen los.“

 

Somit können demenzielle Erkrankungen, besonders in den späteren Phasen, nicht nur eine alltägliche Belastung für die betroffene Person selbst, sondern auch für Familie, Freunde, Pflegepersonal etc. sein. Gefühle wie Wut, Angst, Enttäuschung, Ärger, Trauer halten dann schnell Einzug.

 

So frustrierend alles jedoch scheint und sicherlich auch ist, dürfen wir über der Erkrankung den Menschen nicht vergessen. Das heißt so individuell wie wir Menschen sind, so individuell sind die Ausprägungen und Symptome der Erkrankungen. Auch in späten Phasen der Demenz sind die betroffenen Personen noch in der Lage, Dinge zu tun. Diese gilt es zu fordern und fördern. Und bei den Fähigkeiten, die verloren gegangen sind, sollten wir geduldig sein, kreativ werden und individuell Unterstützung geben.

 

Unterstützung finden Sie auch bei uns. Sprechen Sie uns gerne an.

 

Erste Informationen und Wegweiser finden Sie zudem auf der Website der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e. V.: https://www.deutsche-alzheimer.de/

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